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Von Hasenöhrl und anderem Schmalzgebäck zu Fasching

Egal ob Karneval, Fasching oder Fastnacht gefeiert wird – Kiachl, Mutzen, Faschings-Krapfen, Vögel oder Hasenöhrl– das nicht gerade kalorienarme Schmalzgebäck gehört einfach dazu.

Nicht nur in Bayern wurde das nicht sehr süße, aber trotzdem kalorienreiche, Naschwerk in den kalten, dunklen und kargen Wintermonaten nach alten überlieferten Familienrezepten gebacken – vor allem zur Faschingszeit. Die Grundzutaten Mehl, Milchprodukte und Schmalz gab‘s auch im Winter auf den Bauernhöfen und die letzten Vorräte davon wurden vor der Fastenzeit, also im Fasching noch schnell verbraucht.
Je nach Region gibt es eine Vielzahl von Namen und Rezepturen – meist Familienrezepte, die von Generation zu Generation überliefert wurden. Und genau das ist heute die Schwierigkeit will man die Faschingsbäckerei aus vergangenen Tagen nachbacken.

Hasenöhrl – fast vergessenes Altbayerisches Schmalzgebackenes

 2-IMG_0820Warum die Hasenöhrl Hasenöhrl heißen, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Der Teig für die Hasenöhrl wird rautenförmig oder rechteckig ausgeradelt und dann wird jedes Teigstück in der Mitte eingeschnitten. Dadurch kann sich das Gebäck beim Ausbacken aufwölben und es entsteht eine – entfernt – an Hasenohren erinnernde Form. Ob’s stimmt – wer weiß das schon …

Jedenfalls an die Hasenöhrl meiner Großmutter erinnere ich mich noch ganz genau – wie sie aussahen, wie sie schmeckten und welche Konsistenz sie hatten. Die Rezeptur wurde aber leider niemals aufgeschrieben. Sowieso, meine Großmutter hat selbst beim Backen nie eine Wage benutzt, sie hat immer alles nach Augenmaß abgemessen. Ihr Kommentar ‚das sieht man dann schon, ob der Teig recht ist‘.
Als ich dann vor ein paar Jahren die Hasenöhrl ausprobieren wollte, konnten sich zwar alle in meiner Familie erinnern, wie sie geschmeckt haben, aber wie sie gemacht werden, daran gab es nur vage Erinnerungen… Es hat daher etliche Versuche und auch Fehlschläge gebraucht, bis ich endlich eine Rezeptur für die Hasenöhrl hin bekommen habe, die (annähernd) so wie in meiner Kindheit schmeckt. Der eher weiche Teig besteht im Wesentlichen aus Mehl, Butter, Eiern, Zucker und Saurer Sahne – den Link zum Rezept habe ich am Ende des Textes eingefügt.
Die Hasenöhrl sind zwar ganz frisch am besten, aber verpackt in einer Blechdose können sie durchaus auch ein paar Tage aufgehoben werden.

Kiachl oder ‚Auszogne IMG_0883

Kiachl sind in Bayern aber auch in Österreich weiter verbreitet als die oben beschriebenen Hasenöhrl. Sie wurden/werden nicht nur an Fasching, sondern auch zu Kirchweih im Bayerischen auch Kiada genannt, gebacken, daher vermutlich auch der Name. Kiachl, die aus einem einfachen Hefeteig gemacht werden, werden auch „Auszogne“ genannt, weil der Hefeteig erst in kleine Teiglinge portioniert wird, die dann so „ausgezogen“ werden, dass außen eine Teigwulst entsteht und in der Mitte der Teig ganz dünn wird. Die so ‚ausgezogenen‘ Kiachl werden im heißen Butterschmalz von beiden Seiten ausgebacken und schmecken ganz frisch, noch leicht warm am besten. Manche füllen in die Mitte Marmelade, aber ich finde Kiachl schmecken pur, allenfalls mit etwas feinem Zucker bestäubt am allerbesten.

Vögel –Schmalzgebackene Hefeteig-Küglein

SAMSUNG CSCJa, und dann möchte ich Euch noch eine letzte bayerische Schmalzgebäck-Spezialität aus meiner Kindheit ans Herz legen, nämlich Vögel. Woher der Name „Vögel“ kommt, konnte ich nicht herausbekommen, aber vielleicht kommt er von der Form, die entfernt an kleine Vögel erinnert. Meine Mutter macht sie auch heute noch gelegentlich, diese Teigkugeln, die im schwimmenden Butterschmalz ausgebacken werden. Der Teig der Vögle ist ein ähnlicher Hefe-Teig wie der von den Kiachln. Sie gehen aber viel schneller, weil man den Teig nicht aufwendig ‚ausziehen‘ muss, sondern man sticht einfach mit einem Löffel etwas von dem Hefeteig ab und lässt ihn in das heiße Schmalz gleiten. Daraus entstehen dann kugelförmige Gebilde zum Teil mit ‚Zapfen‘ und kleinen ‚Hörnchen‘, die manchmal wie kleine runde Vögel ausschauen.

 

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Karneval, Fasching oder Fastnacht ….

… jetzt beginnt sie ja wieder, die Närrische Zeit und wenn jetzt vielleicht auch noch der Winter mit Kälte dazukommt, dann schmeckt das Schmalzgebäck nochmal so gut. Probiert es einfach mal aus!
Über Anregungen oder auch Quellen zu traditionellem bayerischem Schmalzgebäck würde ich mich sehr freuen. Schickt mir einfach eine Mail unter cookerylog[at]mycookerylog.com.

Viel Vergnügen beim Backen und Verspeisen!

My Cookery Log® – einfach smart kochen 

 


Links zu den Rezepten:

Vögel – Bayerisches Schmalzgebäck aus Hefeteig SAMSUNG CSC

Kiachl oder ‚AuszogneIMG_0883

Hasenöhrl – fast vergessenes Schmalzgebackenes aus Altbayern 1-IMG_0818

 

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