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Brauchen Veggis eine andere Küche?

Der Versuch eines Küchenkonzepts in einer Zeit, in der immer mehr Menschen Fisch und Fleisch im Kochtopf gegen Gemüse, Früchte, Getreide, Gewürze und andere vegetarische Ingredienzien eintauschen.

Seit etlichen Jahren koche ich jetzt schon fast ausschließlich vegetarisch, aber die Frage, ob ich deshalb andere Anforderungen an meine Küche habe, diese Frage habe ich mir bis, ja, bis ich den österreichischen Designer Stefan Radinger auf der IMM in Köln kennengelernt habe, noch nicht gestellt. Stefan Radinger ist Möbeldesigner und in einem vegetarisch kochenden Haushalt aufgewachsen. Es rührt möglicherweise daher, dass er zusammen mit den Designern Mario Zeppetzauer und Stefan Degn vor einiger Zeit begann, sich intensiv mit den Anforderungen an eine Küche auseinanderzusetzen, in der ohne Fleisch und Fisch gekocht wird. Auf der Möbelmess in Köln dieses Jahr haben sie nun erstmals die Konzept-Küche ‚Vooking – The Vegetarian Kitchen vorgestellt‘.

Back CameraWenngleich ich durchaus die Funktionalität meiner Küche im Blick habe und auch genug Ideen, wie ich sie verbessern könnte, habe ich doch nie die Funktionalität einer Küche, in der viel & gerne gekocht wird, in den Kontext gesetzt des was & wie gekocht wird.

Wenn man Fleisch und Fisch in der Küche weglässt, öffnet das eine Türe zu einem ganz neuen ‚Kosmos‘, durch das ‚Weglassen‘ erweitert sich die Welt des Kochens und der Küche weit mehr, als dass sie eingeschränkt würde! Ist es vergleichsweise wenig Aufwand, ein gutes Stück Fleisch oder Fisch am Herd zuzubereiten, um es mit ein paar wenigen leckeren Beilagen zu einen tollen Hauptgang zusammenzustellen, so ist die kreative und handwerkliche Herausforderung für die vegetarische Küche, ein vergleichbares ‚opulentes‘ Mahl zu kreieren und zu kochen wesentlich größer. Zwangsläufig braucht man viel mehr Gemüse, Kräuter, Früchte, Getreideerzeugnisse, Hülsenfrüchte etc. und natürlich Gewürze, Gewürze, Gewürze!

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Hat der Herd als Mittelpunkt des Geschehens in der Vegetarischen und Veganen Küche ausgedient?

 DSC_0066Wenn nun nicht das Braten von Fleisch und Fisch im Mittelpunkt des Kochens steht, ist so dann auch nicht (mehr) der Herd Mittelpunkt des Geschehens?
Verlagert sich das Zentrum des Geschehens dann dorthin, wo geschnippelt, geknetet, ‚verpackt‘, ausgestochen, gefüllt … wird? 9-DSC_0126
Wenn sich aus dem Weglassen von Fleisch und Fisch das Hinzufügen von Ingredienzien ergibt und – damit verbunden – erweiterte Funktionalitäten hinsichtlich deren Verarbeitung und Aufbereitung notwendig werden, geht damit nicht zwangsläufig die Verlagerung des Arbeitsschwerpunktes hin zur ‚Werkbank‘ in der Küche einher?

IMG_3149Ist es nun aber tatsächlich so, dass, wer sich ohne Fleisch und Fisch ernährt, auch anders kocht bzw. ändert sich das Kochverhalten derjenigen, die zur vegetarischen, veganen oder flexitarischen Ernährungsweise gekommen sind? Und kochen Veggis zudem mehr?
Wenn die Antwort ja lautet, worauf kommt es dann ‚praktisch‘ in der Veggi-Küche an?

Vooking l The Vegetarian Concept KitchenDSC_0125

Und da komme ich auf ‚The Vegetarian Concept Kitchen‘ von Radinger und Kollegen zurück, die sich genau dieser Frage angenommen haben. Die Küchenkonzept ‚Vooking‘ besteht aus mehreren eigenständigen Einheiten, die die Designer in ‚aktive‘ und ‚passive‘ Areale eingeteilt haben. Großer Wert wird neben der Funktionalität und dem Design auch auf high end Technik gelegt. So gibt es zum Beispiel eine Einheit, in der Getreide on demand gemahlen werden kann, oder – auch sehr innovativ – einen ‚Brutschrank/Gewächshaus‘, das es erlaubt, Kräuter und Salat quasi mit der Methode des vertical farmings direkt in der Küche und saisonunabhängig zu ziehen. Um es dann eben on demand zur Verfügung zu haben!A

Meine Idealvorstellung von einer auf das vegetarische Kochen ausgelegten Küche

IMG_1097Ich koche viel und gerne in meiner Küche und habe mir, nachdem ich das Vooking-Konzept gesehen habe, mal überlegt, welche Anforderungen ich an meine Küche stelle, wenn ich sie von Grund auf neu konzipieren würde – und so sähe sie aus, ‚meine Veggi-Küche‘:

Die Werkbank als Zentrale der Küche

DSC_0247Ich stelle mir als Mittelpunkt meiner – offenen – Küche tatsächlich eine große Werkbank oder einen Küchenblock vor. Diese Werkbank beinhaltet die unten näher beschriebenen Arbeitsbereiche Spüle, Schneidebretter, Arbeits- und Abstellfläche. Sie ist so ausgerichtet, dass man, wenn man wäscht, schneidet, knetet, anrührt etc., in den Raum hineinschaut und so am ‚Geschehen‘ teilhaben kann – auch wenn man kocht. Am schönsten finde ich es, wenn man sozusagen gegenüber des Arbeitsplatzes einen angeschlossenen Tresen hat, an dem es sich nett und kommunikativ sitzen lässt.

Die Spüle: Es braucht zwei Becken und die Möglichkeit, Lebensmittel, sei es gekochte Nudeln oder gewaschenes Gemüse, abtropfen zu lassen. Großartig wäre eine Vorrichtung, wo man Salat und Kräuter trocken schleudern könnte, ohne dass man dazu die Gerätschaften erst herbeischaffen muss. 1-DSC_0052

Schneidebretter: Im Anschluss an die Spüle befinden sich zwei Schneidebretter, die in die Arbeitsplatte integriert sind und zum Reinigen und zum ‚Überführen‘ des Schneideguts herausgenommen werden können. Die zwei Bretter sollten sich optisch unterscheiden – eines für Obst und das andere für Zwiebeln, Knoblauch etc., eben für Sachen, deren Gerüche in das Brett eindringen. Bei uns ist das mit den unterschiedlichen Schneidebrettern für Obst und Zwiebeln immer ein Thema. In Reichweite der Schneidebretter müssen sich logischerweise die Arbeitsmesser befinden.

DSC_0111Organischer Abfall

entsteht beim vegetarischen Kochen naturgemäß in größeren Mengen; daher wäre es aus meiner Sicht ideal, wenn zwischen den zwei Schneidebrettern ein Schacht platziert wäre – natürlich mit einem intelligenten Deckel, in den man den Abfall einfach hineinwischen könnte.

IMG_2538Arbeits- und Abstellfläche:

Ich für meinen Teil stelle fest, dass ich neben einer großen Fläche zum Schneiden auch eine wirklich großzügig konzipierte Fläche – ich nenne es ‚Nudelbrett-Areal‘ – zum Kneten, Verpacken, Ausstechen, Füllen etc. benötige, nebst einer ausreichend großen Fläche, auf der man Backbleche, Terrinen, Gratinformen, Schälchen und so weiter abstellen kann. IMG_1194-001

Und, ganz wichtig, wo man auch zu mehreren arbeiten kann, denn Kochen in Gesellschaft ist ja auch im Trend und macht einfach Spaß :-).

SAMSUNG CSCKüchenmaschine und Food Prozessor:

Meine Küchenmaschine – zwischenzeitlich habe ich schon eine Profimaschine mit mehr Leistung für schwere Teige – also die ist praktisch täglich in Gebrauch und sie muss in der Nähe der Schneidebretter und des Nudelbrett-Areals stehen, genauso wie der Food Prozessor, der in einer vorwiegend auf Gemüse ausgerichteten Küche auf keinen Fall fehlen sollte.

Geräteeinheit der Küche

Der Küchenherd: Der Herd muss für mich keinerlei Schnickschnack haben; derzeit habe ich einen Gasherd mit 4 Flammen, das reicht mir völlig. Idealerweise ist der Herd in der Nähe der Spüle – Stichwort ‚Abgießen‘ – und die Kochtöpfe, Bleche etc. befinden sich direkt und offen unter dem Herd. Am besten steht der Herd gegenüber von Spüle und Werkbank.
Dunstabzug: Auch das ist in einer offenen Küche, in der viel gekocht wird, ein absolutes Muss. Am geschicktesten finde ich es, wenn der Abzug ebenfalls in die Arbeits-/Kochplatte integriert ist, denn die Etage über dem Herd hält griffbereit die Utensilien fürs Rühren, Abschöpfen etc. bereit.
Backofen und Spülmaschine: Wenn ich an ‚meinen’ Herd außer der offenen Gasflamme keine sehr großen Anforderungen stelle, so sieht das beim Backofen ganz anders aus! Der Backofen sollte groß, idealerweise für das Backen von Brot mit Dampffunktion und einem Stein ausgestattet sein; Heißluft, Ober-/Unterhitze und Grill beherrscht er sowieso. Der Backofen ist in Augenhöhe platziert und darunter hat dann die Spülmaschine Platz.
Einen Kühlschrank mit verschiedenen Klimazonen und einem kleinen Gefrierfach braucht man; Ein Eiswürfelbereiter wäre nice to have. Nicht nur für leckere Drinks, sondern auch, um zum Beispiel ‚Kochgut‘ wie empfindliche Gemüse damit schnell abkühlen zu können.
Herd, Backofen, Spülmaschine und Kühlschrank sind im Rücken der ‚Werkbank‘ am geschicktesten aufgestellt.
Das ‚Vooking Konzept‘ hat darüber hinaus noch die Elemente zum Mahlen von Getreide und die Kräuterzucht; wenn man genug Platz hat, ist das eine tolle Ergänzung der Küche! SAMSUNG CSC
Ich backe sehr viel Brot und da frisch gemahlenes Mehl deutlich zum Backergebnis beiträgt, wäre so eine Einheit für mich auf jeden Fall sehr interessant.
IMG_1115Auch eine Salat- & Kräuterzucht, um jederzeit Zugriff auf Frisches zu haben ist ausgesprochen attraktiv, das liefert nebenbei noch Vitamine, Minderalien etc., Kriterien, die zu einer gesunden, ausgewogenen und leckeren vegetarischen Ernährung beitragen – also ein wichtiger ‚Wohlfühlfaktor‘.

Ausstattung der Küche

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Lebensmittel (Mehl, Salz, Zucker, Öle etc.) und Gerätschaften, die man stets braucht, sollten griffbereit, am besten in der ‚1. Etage‘ der Küche auf Augen- bis Schulterhöhe untergebracht und damit auch für kleine Staturen – so wie mich – gut erreichbar sein.

IMG_3947Gewürze:

Ein wesentlicher Aspekt des Küchenkonzepts von Stefan Radinger und seinen Kollegen ist, dass Gewürze in großer Anzahl griffbereit sind und trotzdem ‚verträglich‘ gelagert werden. Insbesondere wenn man vegetarisch oder vegan, aber auch wenn man experimentierfreudig kocht, ist eine große Vielzahl von Gewürzen unumgänglich. Es sollten daher mindestens 30 bis etwa 50 Behältnisse vorhanden sein, die nicht nur die ideale Lagerung berücksichtigen, sondern auch, dass nicht alle Gewürze aus Pulver oder Samen bestehen. Es braucht daher auch Gefäße, in denen z.B. Vanilleschoten aufbewahrt werden können oder Tütchen. Eine weitere Anforderung an den Gewürzbereich ist eine variable Beschriftung und Modularität bzw. Ausbaufähigkeit. DSC_0123
Mein ideales ‚Gewürzregal‘ wäre ein längliches rotierendes Rondell, das zentral in den Küchenblock eingelassen ist; das Rondell lässt sich ‚hochfahren‘, wenn man kocht und die Behältnisse auf dem Rondell rotieren manuell oder per Knopfdruck. IMG_3967So lassen sich viele Gefäße quasi in zwei Reihen anordnen und die Gewürze, die man aktuell braucht ‚fährt‘ man einfach zu sich ran. Nach dem Kochen wird das Rondell wieder in die Arbeitsplatte versenkt – so sind dann auch die Gewürze wieder lichtgeschützt.

Verschiedenes:

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber Kochbücher und mein tablet sind immer beim Kochen mit von der Partie. Meine wichtigsten und liebsten Rezepte stehen nun mal auf My Cookery Log® :-). Eine variable Halterung für Kochbücher und tablet sind deshalb auf jeden Fall unabdingbar. Auch ein Platz, wo ich Protokoll führen und meine Rezepte dokumentieren kann, wäre super.

Resümee zum Entwurf meiner ‚Veggi-Küche‘

Meine derzeitige Küche ist eine offene Küche, ohne Hängeschränke etc. mit viel platzverschwenden stand alone Elementen und damit einhergehend wenig wirklicher Arbeits- und Abstellfläche und Stauraum. Das sieht zwar toll aus, ist aber recht unpraktisch, weil wir damit ausgesprochen wenig Platz im Küchenbereich haben. DSC_0030Daher hatte ich zwischendurch schon gedacht, dass eine geschlossene Küche praktischer wäre, weil man da mehr Arbeitsfläche und Stauraum generieren kann. Das dachte ich, bevor ich das Vooking- Konzept gesehen habe!
Nachdem ich jetzt aber noch einmal gründlich über die Anforderungen an meine ‚Veggi-Küche‘ nachgedacht habe, glaube ich, dass es ein Konzept sein muss, dass das Offene mit dem Geschlossenen intelligent verbindet. Hier sind dann natürlich die Kompetenzen der Möbeldesigner gefragt. Und da komme ich noch einmal auf ‚The Vegetarian Concept Kitchen‘ zurück: Der Gedanke, dass eine Küche an das was & wie gekocht wird angepasst ist, ist großartig und bietet viel Raum, um die zumeist ja durchaus schicken und modernen ‚Einheitsküchen‘ nicht nur als repräsentative Wohnelemente zu gestalten, sondern sie an die Anforderungen des alltäglichen & praktischen – vegetarischen – Kochens anzupassen!
IMG_3956Fazit: Ja, eine Küche in der vorwiegend fleischlos gekocht wird, hat erweiterte Anforderungen an die Funktionalitäten! Der Ansatz ‚Vooking‘ weist genau in diese Richtung. Das Konzept steht aber noch am Anfang und es bietet sich noch ein weites Feld, kreative und innovative Ansätze zu denken und sie in den Alltag der Küche des 21. Jahrhunderts zu überführen.

 Wir dürfen gespannt sein!

My Cookery Log® – einfach smart kochen

1 Kommentar

  1. Das ist ein wirklich interessanter Denkanstoss! Bin gerade dabei, mir meine Gedanken über eine neue Küche zu machen und werde Deine einfliessen lassen. Habe viele gute Ideen gelesen… ! Danke!

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